Festung Königstein mit dem Kinderwagen – ein kleines Abenteuer

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Etwas schwieriger Aufstieg zur Festung Königstein

Wer die Sächsische Schweiz besucht, der muss, so sagt man, neben der allseits bekannten Bastei auch die Festung Königstein besucht haben. Und spätestens seit dem diesjährigen Hochwasser, sollte einem Jeden der Begriff Königstein aus den Medien bekannt sein. Ist die Ortschaft, die am Fuße der pompösen Festungsanlage liegt, doch nun innerhalb von 10 Jahren schon zum Zweiten Male beinahe vollkommen überflutet worden. Inzwischen hat sich das Wasser zurückgezogen, die Reparaturarbeiten begonnen und die bekannte Idylle erhält wieder Einzug in Königstein.

In Anbetracht der positiven Wettersituation, was dieses Jahr durchaus keine Selbstverständlichkeit im Sommer darstellt, entschlossen wir uns den Empfehlungen nachzugeben und den Aufstieg zur Festung zu wagen. Da wir aufgrund des familiären Zuwachses mit vier zusätzlichen Rädern unterwegs sind, hab ich immer so meine Bedenken, wenn eine Burg erklommen werden soll. Burgen sind schließlich nicht gerade dafür bekannt, an gut zugänglichen Stellen und bestens ausgebauten Teerwegen zu liegen. Da Festung Königstein jedoch mit weitgehender Barrierefreiheit wirbt, kann es ja nicht so schlimm werden.

Zunächst mal ist am Fuße der Festung ein großes Parkhaus, was allerdings nur eine maximale Einfahrtshöhe von 2 Metern hat – Gott sei dank hatte ich zwei Tage zuvor den Dachgepäckträger demontiert, sonst wäre das wohl eng geworden. Die Parkplätze sind recht breit, dafür ist es aber relativ teuer. (ab 5 Stunden Aufenthalt 6€) Direkt vor dem Parkhaus fahren in relativ kurzen Abständen Kinderbimmelbahnen ab und bringen Scharenweise Besucher zur Festung. Aber weil das Parkhaus schon so teuer war, und wir noch jung und sportlich auf den Beinen, beschlossen wir den Nachwuchs den Berg selbst hochzuschieben. Doch genau hier lag der Hund begraben. Während das erste Stück der Strecke bequem zu befahren und belaufen ist, werden die meisten aller Kinderwagen den steilen Anstieg nicht bewältigen. Das liegt nicht am Anstieg selbst, vielmehr der unebene Untergrund (mächtiges und uraltes Kopfsteinpflaster), treibt die Achsen und Rädern der Kinderwägen an ihre Grenzen. Da wir aber einen Wagen mit großen 20 Zoll Laufrädern besitzen und ein Kind mit etwas Geduld, schafften wir den Aufstieg mit purer Muskelkraft.

Oben angekommen wird man überwältigt von der schieren Größe und der davon ausgehenden Macht, die diese Festung einem entgegenwirft. An der Kasse begrüßt uns eine sehr nette und freundliche Kassiererin. Grund zur Freude hatte sie, schließlich wechselte viel Geld den Besitzer – billig ist der Eintritt nämlich nicht. Stolze 21€ leichter wurde mein Geldbeutel für ein Familieticket. Doch nun könnte man es den Betreibern der Burg auch positiv anrechnen, schließlich heißt es direkt nach der Kasse wieder stramm Bergann. Je weniger Geld im Portmonee, desto Weniger muss man die gefühlten 100 Höhenmeter durch das Burgtor mit sich schleppen. Glücklicherweise ließen sich die mittelalterlichen Baumeister nicht lumpen und warfen Kinderwagenschiebern alle Unwegsamkeiten entgegen, die sie so zu bieten hatten.

Irgendwann ist man dann tatsächlich oben! Die bisher gesammelten tollen Eindrücke werden dann, und das kann ich ganz beruhigt sagen, durch das tolle Flair und den guten restaurierten Zustand der mittelalterlichen Gebäude mehr als bestätigt. Direkt nach dem Erreichen des Festungshofes findet sich das Brunnenhaus – ein wirklich atemberaubender Ort. „Was kann schon so toll an einem Brunnen sein“, könnte man meinen. Doch wenn man vor einem 3,6 Meter breiten und mehr als 150 Meter tiefen Loch steht, in dem das Wasser etwa 16 Sekunden braucht, bis es unten ankommt, stellt sich schon ein gewisser WAO-Effekt ein.

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Ein atemberaubender Ausblick von Festung Königstein auf die darunter gelegene Elbe, sowie den Lilienstein am anderen Elbufer.

Doch die wahre Bestätigung, dass man sich für das richtige Ausflugsziel entschieden hat, stellt sich erst einen kleinen Moment später ein. Nämlich genau dann, wenn man den mehrere 100 Meter langen Wehrgang an den Festungsmauern gefunden hat und in einem gemütlichen Spaziergang abläuft. Dann blickt man herab zur Elbe, die anständig ihre Kurve um den Lilienstein zieht, herab auf das idyllische Örtchen Königstein und hinüber über das Land, das da den Namen Sächsische Schweiz trägt und mit seiner gesamten Schönheit einen ruhigen und gleichzeitig atemberaubenden Moment bietet. Allein für diesen Rundgang, der auch weitesgehend problemlos mit einem Kinderwagen befahren werden kann, allein dafür lohnt sich der etwas mühselige Aufstieg.

Wenn man dann den Rundweg abgeschlossen hat, ungefähr ein Dutzend WAO- und BOAH-Effekte miterlebt hat und sich die fußlahmheit einstellt, dann kann man bequem einkehren, entweder im Offizierskasino für Herzhaftes und Deftiges oder in der Festungsbäckerei, die mit wagenradgroßen Kuchen wirbt – und nicht zu viel verspricht. Doch auch hier sei empfohlen, den ein oder anderen Euro mehr einzuplanen. Trotzdem, die Festung Königstein ist ein großartiges Ausflugsziel – auch mit Kinderwagen.

Achso: Wem der Aufsieg durch das Burgtor zu anstrengend ist, der kann auch den Fahrstuhl nehmen, der eigens an der Festungsmauer installiert wurde. Wenn es das schon im Mittelalter gegeben hätte …

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